Sonntag, 29. Juni 2014



P.S.: Auch wenn es normalerweise an den Schluss käme, ist mir gerade aufgefallen, dass ich die Bilder von unserem Mauerbesuch und Chiiyas „graduation“ noch gar nicht hochgeladen habe. Da beide Ereignisse vor dem nachfolgenden Eintrag stattfanden, hier noch nachträglich die Bilder (=

Diesen Abschnitt der Mauer findet man fernab vom großen Tourismus rund um Badaling. Von Peking aus ist der Abschnitt mit dem Bus in weniger als zwei Stunden erreicht. Hier heißt es erst mal: Treppen steigen!










Die vermutlich besten Abschlussbilder (=



Eine ganz nette Panoramaaufnahme des Mauerabschnittes. Man beachte das wahnsinnige Gedrängel der vielen Besucher.

Es war noch viel steiler als es aussieht!









Bei der Abschlusszeremonie war sogar ein arabischer Prinz da, dessen Söhne dieses Jahr ebenfalls ihren Abschluss feierten.

Genau der richtige Moment...

... und da ist der Abschluss! (=





Zum feierlichen Anlass trug Chiiya ein traditionelles chinesisches Gewand, die 旗袍 (Qipao, manchmal im kantonesischen Raum als Cheongsam bezeichnet).

Auch ihr Vater war mit von der Partie.



Ich sitze gerade im Zug von Jinan nach Peking und finde endlich Zeit, etwas über die letzten Tage zu erzählen. Da ging es nämlich hoch her!
Die Zeit in Jinan war äußerst interessant, endlich konnte ich mit Chiiyas Familie etwas mehr kommunizieren, zumindest, wenn alle Mandarin sprachen und nicht den Jinan eigenen Dialekt. Ihr Vater hat uns täglich großzügig bekocht und die theoretisch letzten Urlaubsvorbereitungen zwecks Bikini-Figur und so endgültig in die ewigen Jagdgründe befördert. Saumäßig lecker war es aber trotzdem. Von Chinesischen über Japanischen Spezialitäten war alles dabei.
Wir waren aber auch oft mit der Familie in „Restaurants“ essen. Am ersten Tag bspw. in einem Grillspieß Straßenrestaurant, deren Spezialität gegrilltes Lammfleisch ist. Die waren so gut, dass sogar ich trotz Lamm nicht widerstehen konnte.
Am nächsten Tag ging es mit einer ihrer unzähligen Tanten (ich alleine habe in Jinan fünf von selbigen kennengelernt…!) an eine der Quellen im Zentrum von Jinan. Das war eine recht schöne Szenerie, aber jetzt sicherlich keine riesige Attraktion. Anschließend ging es noch mit ihrem Vater, Cousin und Tante Essen. Auf dem Rückweg kreuzten dann einige Ziegen unseren Weg: Jinan hat mit seinen mickrigen paar Millionen Einwohnern halt noch einen sehr ländlichen Charakter (=















Der nächste Tag sollte dann wohl zu einem der verrücktesten werden. Der Plan war, dass Chiiya, ihr Cousin und ich zum Tempel des Konfuzius (dem „richtigen“ Tempel, wo Konfuzius gelehrt und gelebt hat) fahren, eine Nacht in der Stadt dort bleiben, um dann am darauffolgenden Tag den „泰山“ (Den Tai-Berg) zu erklimmen. Während wir schon auf dem Weg zum Tempel waren, klingelt bei Chiiya allerdings das Handy und eine ihrer zwei selten verrückten (meist in positiver Art und Weise) Tanten meinte doch glatt: Ich und 大姑 (Dagu, die Bezeichnung einer ihrer Tanten) kommen auch vorbei, wir nehmen Campingausrüstung mit, sammeln euch ein und dann gehen wir gleich am gleichen Tag direkt zum Berg und campen erst mal, um dann kurz nach Mitternacht den Aufstieg zu beginnen, um dann gemeinsam am nächsten Morgen nach stundenlangem Aufstieg den Sonnenaufgang zu genießen. Zu dem Zeitpunkt fragte Chiiya schon, ob das für die beiden weit über 60-Jährigen Tanten denn so ohne weiteres möglich sein, schließlich schlafen wir dann nur kaum und die Dame muss uns ja auch noch zwei Stunden nach Hause fahren. Die meinte aber nur: Mach‘ ich auf einer Arschbacke! Soweit, so gut…
Nachdem wir uns beim Tempel trafen und die längere Fahrt Richtung Berg antraten, hatte die jüngere der beiden Tanten dann eine Idee: Wir haben doch eine entfernte Cousine in der Stadt direkt beim Berg, die rufen wir doch glatt mal an und die soll uns zu einem Platz lotsen, an dem man gut campen kann und zusätzlich noch weit weg vom Ticketschalter ist, sodass wir uns zum Berg „hineinschleichen“ können.
Mit der Cousine traf man sich dann auch postwendend, die auch gleich ihren Ehemann mitbrachte und uns erst mal zum großen Abendessen einlud. Soviel zum campen… Stunden später nach viel Essen und einigen Ratschlägen der Cousine dann die bahnbrechende Idee der Tante: Wir schlafen überhaupt nicht, nehmen ein Zelt mit hoch auf den Berg und beginnen den Aufstieg gleich jetzt. Auch weitere Bedenken Chiiyas zwecks des doch fortgeschrittenen Alters der beiden Damen stießen auf taube Ohren.
Schnell den Rucksack umgepackt, Proviant für den Aufstieg, genügend Wasser, Zelt, langen Pullover. Der Rucksack war dann plötzlich doch wesentlich schwerer als ursprünglich mal zum Aufstieg geplant. Als wir dann endlich am Fuße des Berges ankamen, war es schon 21 Uhr und finster. Ich konnte also (entweder glücklicherweise oder unglücklicherweise) nicht erkennen, worauf ich mich hier eigentlich einlasse. Ich kannte die chinesische Landschaft ja so halbwegs und konnte mir kaum vorstellen, dass es sich hier wirklich um einen „Berg“ handelt.
Alleine bis zum Ticketschalter dauerte es schon eine Weile und schon hier waren einige Treppen zu erklimmen. Die Tanten waren erfreulicherweise bestens ausgerüstet und hatten ebenso Taschenlampen und Leuchtmittel dabei. Am Ticketschalter schon völlig außer Puste meinten die zwei dann aber doch: Macht ihr drei das nur mal, wir holen euch morgen hier wieder ab. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, was in den nächsten Stunden so auf mich zukommt, hätte ich vermutlich gleich gesagt: Nö, ich gehe auch lieber ins Hotel und schlafe aus. Schließlich war die Idee, ohne Schlaf, Erholung oder Vorbereitung den Berg in stockfinsterer Nacht zu erklimmen ja von denen, die sich in wenigen Minuten ins federweiche Bett schmiegen.
Ich habe spaßeshalber einige Fakten über den Mount Tai herausgesucht, die ich vorher selbstredend nicht kannte. Der Gipfel liegt auf ca. 1550 Metern Höhe, starten tut man auf ca. 300 Metern Höhe. Dann liegen nur noch knapp 7.000 Treppenstufen, 1,2 Kilometer Höhenunterschied und knapp 6,5 Kilometer reine Wegstrecken zwischen dem ersten Schritt und dem Gipfel. Das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht.
Der Anfang war noch relativ einfach, es waren mehr ebene Strecken zu laufen als Treppen zu steigen. Mit den mitgenommen Lichtern ging das auch alles ganz gut. Nach den ca. ersten zwei Stunden Aufstieg habe ich dann aber langsam doch angefangen, ihre Tanten zu verfluchen. Als wir dann nach knapp zweieinhalb Stunden endlich den vermeintlichen Gipfel erreichten, meinte Chiiya stöhnend zu mir: Die Hälfte ist geschafft. Sie meinte aber auch, dass sich die erste Hälfte nach dem kompletten Aufstieg eher nur wie ein Drittel anfühlen wird, da die zweite „Hälfte“ wesentlich härter und steiler wird. Oh Freude…
Nach dem Start um ca. 22 Uhr haben wir nach fünfeinhalb Stunden mitten in der Nacht um ca. 03:30 Uhr endlich den Gipfel erreicht. Ich war selten so erleichtert in meinem Leben. Da oben war es aber schweinekalt und es ging ein ganz schöner Wind, weshalb wir uns einige Mäntel mieteten. Wir haben uns daraufhin erst mal eine Ecke gesucht und sind sofort eingeschlafen.
Aufgewacht bin ich zittern, da meine nassgeschwitzten Klamotten massiv an Temperatur verloren, aber immer noch klitschnass waren. Da hieß es  gleich mal durch viel Bewegung aufwärmen.
Die Aussicht war recht beeindruckend, aber leider hat ein ziemlicher Nebel die Weitsicht verhindert.
Für uns ging es dann wieder an den Abstieg, wobei wir bis zur Hälfte mit der Gondel runterfuhren, die glücklicherweise um 07:00 Uhr in Betrieb genommen wurde. Der Abstieg war aber trotzdem noch hart und wir benötigten auch hier noch zwei Stunden. Die Heimfahrt und eigentlich fast den ganzen Tag haben wir dann verschlafen.



















Zum Abschluss des Konfuziustempels gab es noch etwas Peking Oper. Muss man aber nicht gehört haben.

Das war auf halbem Weg auf den Berg hinauf...!




Chiiya und ihrem Cousin (unter dem Mantel im Vordergrund) war es mächtig kalt. Und müde waren sie auch...

... aber auch mir ist die Müdigkeit deutlich ins Gesicht geschrieben.







So steil geht es teils den Berg hinauf!

Nach der Gondelfahrt zur Mitte sieht man auf den Berg hinauf und denkt sich: Wahnsinn, da bin ich raufgelaufen?!







Der folgende Tag war etwas gemütlicher und wir waren hauptsächlich mit Essen beschäftigt. Eine weitere/andere Tante hat uns zum Mittagessen eingeladen; nach diesem wurden wir noch in deren Wohnung eingeladen und hatten glatt noch ein zweites Mittagessen (chinesische Spareribs). Während des zweiten Mittagessens kam dann die Einladung einer ihrer Cousins. Es war also dann auch noch großes Abendessen mit Cousins, Cousinen und weiteren Verwandten, deren deutsche Bezeichnung ich nicht mal kenne, angesagt. Das war unheimlich lustig und interessant, da Chiiyas Familie wohl grundsätzlich eine recht frohe, lustige und angenehme Natur zu Grunde liegt. Für mein chinesisch war das auch nicht schlecht, es spricht nämlich außer Chiiya keiner Englisch. Allerdings hatte ich doch ganz schwer mit dem Dialekt zu kämpfen: Ich musste regelmäßig bitten, doch etwas langsamer und vor allem Hochchinesisch zu sprechen. Nichtsdestotrotz war es ein unheimlich lustiger Haufen und ich habe die Zeit sehr genossen.
Heute zum Mittagessen gab es 饺子 (Dumplings), bei deren Zubereitung ich auch nach bestem Wissen und Gewissen mithalf. Die waren saulecker (:




Heute auch ein neuer Haarschnitt. In Jinan kostete der stolze 80 Cent (:


In Peking komme ich in knapp 40 Minuten an (zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Eintrags bin ich selbstverständlich schon wieder zu Hause). Dann ist Koffer packen und aufräumen angesagt, morgen ziehe ich aus und verbringe den Tag mit Chiiya in unserem Lieblingscafé, bis wir dann morgen Nacht um 23 Uhr ein Taxi zum Flughafen nehmen und Peking (mal wieder) verlassen. Schön war es.

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