P.S.: Auch wenn es normalerweise an den
Schluss käme, ist mir gerade aufgefallen, dass ich die Bilder von unserem
Mauerbesuch und Chiiyas „graduation“ noch gar nicht hochgeladen habe. Da beide
Ereignisse vor dem nachfolgenden Eintrag stattfanden, hier noch nachträglich
die Bilder (=
| Die vermutlich besten Abschlussbilder (= |
| Eine ganz nette Panoramaaufnahme des Mauerabschnittes. Man beachte das wahnsinnige Gedrängel der vielen Besucher. |
| Es war noch viel steiler als es aussieht! |
| Bei der Abschlusszeremonie war sogar ein arabischer Prinz da, dessen Söhne dieses Jahr ebenfalls ihren Abschluss feierten. |
| Genau der richtige Moment... |
| ... und da ist der Abschluss! (= |
| Zum feierlichen Anlass trug Chiiya ein traditionelles chinesisches Gewand, die 旗袍 (Qipao, manchmal im kantonesischen Raum als Cheongsam bezeichnet). |
| Auch ihr Vater war mit von der Partie. |
Ich sitze gerade im Zug von Jinan nach Peking
und finde endlich Zeit, etwas über die letzten Tage zu erzählen. Da ging es
nämlich hoch her!
Die Zeit in Jinan war äußerst interessant,
endlich konnte ich mit Chiiyas Familie etwas mehr kommunizieren, zumindest,
wenn alle Mandarin sprachen und nicht den Jinan eigenen Dialekt. Ihr Vater hat
uns täglich großzügig bekocht und die theoretisch letzten Urlaubsvorbereitungen
zwecks Bikini-Figur und so endgültig in die ewigen Jagdgründe befördert. Saumäßig
lecker war es aber trotzdem. Von Chinesischen über Japanischen Spezialitäten
war alles dabei.
Wir waren aber auch oft mit der Familie in
„Restaurants“ essen. Am ersten Tag bspw. in einem Grillspieß Straßenrestaurant,
deren Spezialität gegrilltes Lammfleisch ist. Die waren so gut, dass sogar ich
trotz Lamm nicht widerstehen konnte.
Am nächsten Tag ging es mit einer ihrer
unzähligen Tanten (ich alleine habe in Jinan fünf von selbigen kennengelernt…!)
an eine der Quellen im Zentrum von Jinan. Das war eine recht schöne Szenerie, aber
jetzt sicherlich keine riesige Attraktion. Anschließend ging es noch mit ihrem
Vater, Cousin und Tante Essen. Auf dem Rückweg kreuzten dann einige Ziegen
unseren Weg: Jinan hat mit seinen mickrigen paar Millionen Einwohnern halt noch
einen sehr ländlichen Charakter (=
Der nächste Tag sollte dann wohl zu einem der
verrücktesten werden. Der Plan war, dass Chiiya, ihr Cousin und ich zum Tempel
des Konfuzius (dem „richtigen“ Tempel, wo Konfuzius gelehrt und gelebt hat)
fahren, eine Nacht in der Stadt dort bleiben, um dann am darauffolgenden Tag
den „泰山“ (Den Tai-Berg) zu erklimmen. Während wir
schon auf dem Weg zum Tempel waren, klingelt bei Chiiya allerdings das Handy
und eine ihrer zwei selten verrückten (meist in positiver Art und Weise) Tanten
meinte doch glatt: Ich und 大姑 (Dagu, die
Bezeichnung einer ihrer Tanten) kommen auch vorbei, wir nehmen
Campingausrüstung mit, sammeln euch ein und dann gehen wir gleich am gleichen
Tag direkt zum Berg und campen erst mal, um dann kurz nach Mitternacht den
Aufstieg zu beginnen, um dann gemeinsam am nächsten Morgen nach stundenlangem
Aufstieg den Sonnenaufgang zu genießen. Zu dem Zeitpunkt fragte Chiiya schon,
ob das für die beiden weit über 60-Jährigen Tanten denn so ohne weiteres
möglich sein, schließlich schlafen wir dann nur kaum und die Dame muss uns ja
auch noch zwei Stunden nach Hause fahren. Die meinte aber nur: Mach‘ ich auf
einer Arschbacke! Soweit, so gut…
Nachdem wir uns beim Tempel trafen und die
längere Fahrt Richtung Berg antraten, hatte die jüngere der beiden Tanten dann
eine Idee: Wir haben doch eine entfernte Cousine in der Stadt direkt beim Berg,
die rufen wir doch glatt mal an und die soll uns zu einem Platz lotsen, an dem
man gut campen kann und zusätzlich noch weit weg vom Ticketschalter ist, sodass
wir uns zum Berg „hineinschleichen“ können.
Mit der Cousine traf man sich dann auch postwendend,
die auch gleich ihren Ehemann mitbrachte und uns erst mal zum großen Abendessen
einlud. Soviel zum campen… Stunden später nach viel Essen und einigen
Ratschlägen der Cousine dann die bahnbrechende Idee der Tante: Wir schlafen
überhaupt nicht, nehmen ein Zelt mit hoch auf den Berg und beginnen den
Aufstieg gleich jetzt. Auch weitere Bedenken Chiiyas zwecks des doch
fortgeschrittenen Alters der beiden Damen stießen auf taube Ohren.
Schnell den Rucksack umgepackt, Proviant für
den Aufstieg, genügend Wasser, Zelt, langen Pullover. Der Rucksack war dann
plötzlich doch wesentlich schwerer als ursprünglich mal zum Aufstieg geplant.
Als wir dann endlich am Fuße des Berges ankamen, war es schon 21 Uhr und
finster. Ich konnte also (entweder glücklicherweise oder unglücklicherweise)
nicht erkennen, worauf ich mich hier eigentlich einlasse. Ich kannte die
chinesische Landschaft ja so halbwegs und konnte mir kaum vorstellen, dass es
sich hier wirklich um einen „Berg“ handelt.
Alleine bis zum Ticketschalter dauerte es
schon eine Weile und schon hier waren einige Treppen zu erklimmen. Die Tanten
waren erfreulicherweise bestens ausgerüstet und hatten ebenso Taschenlampen und
Leuchtmittel dabei. Am Ticketschalter schon völlig außer Puste meinten die zwei
dann aber doch: Macht ihr drei das nur mal, wir holen euch morgen hier wieder
ab. Hätte ich zu diesem Zeitpunkt gewusst, was in den nächsten Stunden so auf
mich zukommt, hätte ich vermutlich gleich gesagt: Nö, ich gehe auch lieber ins
Hotel und schlafe aus. Schließlich war die Idee, ohne Schlaf, Erholung oder
Vorbereitung den Berg in stockfinsterer Nacht zu erklimmen ja von denen, die
sich in wenigen Minuten ins federweiche Bett schmiegen.
Ich habe spaßeshalber einige Fakten über den
Mount Tai herausgesucht, die ich vorher selbstredend nicht kannte. Der Gipfel
liegt auf ca. 1550 Metern Höhe, starten tut man auf ca. 300 Metern Höhe. Dann
liegen nur noch knapp 7.000 Treppenstufen, 1,2 Kilometer Höhenunterschied und
knapp 6,5 Kilometer reine Wegstrecken zwischen dem ersten Schritt und dem
Gipfel. Das wusste ich zu dem Zeitpunkt nicht.
Der Anfang war noch relativ einfach, es waren
mehr ebene Strecken zu laufen als Treppen zu steigen. Mit den mitgenommen
Lichtern ging das auch alles ganz gut. Nach den ca. ersten zwei Stunden
Aufstieg habe ich dann aber langsam doch angefangen, ihre Tanten zu verfluchen.
Als wir dann nach knapp zweieinhalb Stunden endlich den vermeintlichen Gipfel
erreichten, meinte Chiiya stöhnend zu mir: Die Hälfte ist geschafft. Sie meinte
aber auch, dass sich die erste Hälfte nach dem kompletten Aufstieg eher nur wie
ein Drittel anfühlen wird, da die zweite „Hälfte“ wesentlich härter und steiler
wird. Oh Freude…
Nach dem Start um ca. 22 Uhr haben wir nach
fünfeinhalb Stunden mitten in der Nacht um ca. 03:30 Uhr endlich den Gipfel
erreicht. Ich war selten so erleichtert in meinem Leben. Da oben war es aber
schweinekalt und es ging ein ganz schöner Wind, weshalb wir uns einige Mäntel
mieteten. Wir haben uns daraufhin erst mal eine Ecke gesucht und sind sofort
eingeschlafen.
Aufgewacht bin ich zittern, da meine
nassgeschwitzten Klamotten massiv an Temperatur verloren, aber immer noch
klitschnass waren. Da hieß es gleich mal
durch viel Bewegung aufwärmen.
Die Aussicht war recht beeindruckend, aber leider hat ein ziemlicher Nebel die Weitsicht verhindert.
Die Aussicht war recht beeindruckend, aber leider hat ein ziemlicher Nebel die Weitsicht verhindert.
Für uns ging es dann wieder an den Abstieg,
wobei wir bis zur Hälfte mit der Gondel runterfuhren, die glücklicherweise um
07:00 Uhr in Betrieb genommen wurde. Der Abstieg war aber trotzdem noch hart
und wir benötigten auch hier noch zwei Stunden. Die Heimfahrt und eigentlich
fast den ganzen Tag haben wir dann verschlafen.
| Zum Abschluss des Konfuziustempels gab es noch etwas Peking Oper. Muss man aber nicht gehört haben. |
| Das war auf halbem Weg auf den Berg hinauf...! |
| Chiiya und ihrem Cousin (unter dem Mantel im Vordergrund) war es mächtig kalt. Und müde waren sie auch... |
| ... aber auch mir ist die Müdigkeit deutlich ins Gesicht geschrieben. |
| So steil geht es teils den Berg hinauf! |
| Nach der Gondelfahrt zur Mitte sieht man auf den Berg hinauf und denkt sich: Wahnsinn, da bin ich raufgelaufen?! |
Der folgende Tag war etwas gemütlicher und wir
waren hauptsächlich mit Essen beschäftigt. Eine weitere/andere Tante hat uns
zum Mittagessen eingeladen; nach diesem wurden wir noch in deren Wohnung
eingeladen und hatten glatt noch ein zweites Mittagessen (chinesische
Spareribs). Während des zweiten Mittagessens kam dann die Einladung einer ihrer
Cousins. Es war also dann auch noch großes Abendessen mit Cousins, Cousinen und
weiteren Verwandten, deren deutsche Bezeichnung ich nicht mal kenne, angesagt.
Das war unheimlich lustig und interessant, da Chiiyas Familie wohl grundsätzlich
eine recht frohe, lustige und angenehme Natur zu Grunde liegt. Für mein
chinesisch war das auch nicht schlecht, es spricht nämlich außer Chiiya keiner
Englisch. Allerdings hatte ich doch ganz schwer mit dem Dialekt zu kämpfen: Ich
musste regelmäßig bitten, doch etwas langsamer und vor allem Hochchinesisch zu
sprechen. Nichtsdestotrotz war es ein unheimlich lustiger Haufen und ich habe
die Zeit sehr genossen.
Heute zum Mittagessen gab es 饺子 (Dumplings), bei deren Zubereitung ich auch nach bestem Wissen und
Gewissen mithalf. Die waren saulecker (:
| Heute auch ein neuer Haarschnitt. In Jinan kostete der stolze 80 Cent (: |
In Peking komme ich in knapp 40 Minuten an
(zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Eintrags bin ich selbstverständlich
schon wieder zu Hause). Dann ist Koffer packen und aufräumen angesagt, morgen
ziehe ich aus und verbringe den Tag mit Chiiya in unserem Lieblingscafé, bis
wir dann morgen Nacht um 23 Uhr ein Taxi zum Flughafen nehmen und Peking (mal
wieder) verlassen. Schön war es.
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