Es wird zunehmend heißer und schwüler in
Peking! So langsam kommt der Sommer in seiner vollen Pracht. Da bin ich umso
dankbarer, dass die meisten Cafés eine Klimaanlage besitzen. (:
Einer meiner Schüler ist recht interessant.
Der Kerl ist gerade mal 18 Jahre alt, geht demnächst nach Amerika um dort zu
studieren und möchte jetzt sein Englisch aufbessern, da er selbst meint, er
hätte da viel Nachholbedarf – wo er nebenbei auch Recht hat.
Da der Gute bereit war, für den Unterricht immer zu mir zu kommen, habe ich ihm auch noch einen Rabatt auf den sonst für chinesische Verhältnisse doch recht üppigen Stundenlohn gegeben. Mittlerweile stellt sich heraus dass der Kerl ein selten großes Unikum ist.
Dass Geld nicht wirklich eine große Rolle
spielt, war flott klar, da nur sehr wohlhabende Chinesen genug Geld haben, um
ihre Kinder ins Ausland (vor allem die USA!) zum Studieren zu schicken. Als ich
ihn dann aber eines Tages mit einem Porsche Carrera (18 Jahre alt!) nach Hause
fahren sah, kamen mir dann doch etwas Zweifel ob der Rabatt auf meinen
Stundenlohn von knapp 30% wirklich hätten sein müssen. Das schmucke Auto gehört
auch tatsächlich ihm, war das Geburtstagsgeschenk zum 18. Da ich mittlerweile
weiß, dass in China vieles völlig anders läuft als in anderen Ländern, musste
ich gleich mal Recherchen anstellen, wie viel ein solches Auto denn in China
kostet, da die Einfuhrumsatzsteuer sowie weitere Steuern in China auf
Luxusgüter teils exorbitant hoch ausfallen. Daher stellte sich dann heraus: Die
Karre kostet hier sage und schreibe 450.000 Dollar (nicht Yuan, Dollar!).
Fast schon stereotypisch geht es mit den Charakterzügen des jungen Herren weiter. Auf die Frage, was ihn denn so aufrege, meinte er: Wenn mir meine Mutter nicht die Klamotten kauft, die ich möchte. Auf die Frage, ob es in China (und in der Welt!) denn Ungerechtigkeit, Benachteiligung oder Ungleichheit gäbe, meinte er: Nö, hier ist alles im Lack. Das sehen die Rentner, die Plastikflaschen zum Recyceln sammeln, um sich pro Flasche knapp 2 Eurocent dazuzuverdienen weil die Rente von knapp 50 Euro im Monat nicht ausreicht, sicherlich anders. Oder die Bankangestellte, die trotz eines Master Titels gerade mal 4000 Kuai (500 Euro) im Monat verdient und selbst bei rigoroser Spareinlage knapp 75 Jahre sparen müsste, um sich ein solches Auto leisten zu können.
Gemacht hat der junge Kerl in seinem Leben auch nichts. Selbst in dem Sprachtest, der für die Uni zwingend vorgeschrieben war, hat er sich die Antworten vorher aus Amerika zuschicken lassen und hierfür einige Tausend Dollar bezahlt. Den Platz an der Uni dort hat er natürlich bekommen, sein Score im Test war ja wirklich nicht von schlechten Eltern. Dieses Schlupfloch in der Organisation dieses weltberühmten Tests wurde übrigens erst vor knapp einem Monat gestopft. Das hilft dem Kerl, der hart für diesen potentiellen Studienplatz gearbeitet und gebüffelt hat, ihn aber trotzdem nicht bekommt, weil ein anderer durch seine Betrügereien einfach auf dem Papier der bessere Kandidat ist, auch nichts.
Da sitze ich nun in China, esse täglich für 10
Kuai (1,10 Euro) in der Kantine, um jeden Cent zu sparen, und frage mich: Was
ist eigentlich Gerechtigkeit? Das erinnert mich vor allem an die Vorlesung
„Chinese Business Ethics“ von vor zwei Jahren hier in Peking. Die Vorlesung war
hochinteressant und der Professor nahm in vielerlei Hinsicht kein Blatt vor den
Mund. Er stellte eine spannende Frage bezüglich der eigentlich kommunistischen
Struktur Chinas: „Die kommunistische Idee ist: Reichtum und Wohlstand für alle.
Die Frage ist doch: Wie kann – oder kann es überhaupt – ethisch gerechtfertigt
werden, dass manche vor anderen reich werden? Wer entscheidet, wer als erster reich
wird und wer später?“ Der Professor hat diese Frage nie beantwortet. Ich in
meinem jugendlichen Leichtsinn und stark kapitalistischen Weltbild dachte mir
damals noch: Ist doch klar, durch harte Arbeit, gute Bildung und Weitsicht wird
man reich. Komischerweise sieht das in China in der Realität ganz anders aus,
da haben die meisten „Reichen“ wesentlich mehr im Geldbeutel als im Kopf. Da
könnten jetzt spitze Zungen behaupten: Kommunismus macht nur Dumme reich. Was
insofern wieder ironisch wäre, als dass Kommunismus ja anscheinend alle
(irgendwann) reich macht.
Anderes Thema: Die von Mama und Papa
mitgebrachten Würstchen konnten wir heute auch endlich verspeisen. Das mit dem
Einmalgrill war aber leider nichts, da die Campus-Security wohl Grillen auf dem
Campus für nich so Dolle hält und mich doch tatsächlich dazu bewegt hat, meine
Grillglut mit Bier (andere Flüssigkeit war nicht zur Hand) auszulöschen. Den
Deutschen beim Grillen stören und dann noch Bier verschwenden – da musste ich
ein paar Mal ganz kräftig schlucken.
Die Würstchen haben wir dann schlussendlich in der Pfanne gebrutzelt. Lecker waren die allemal, nur hab ich jetzt mächtig Heimweh.
Die Würstchen haben wir dann schlussendlich in der Pfanne gebrutzelt. Lecker waren die allemal, nur hab ich jetzt mächtig Heimweh.
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