Kultur und Menschen

Ich will hier versuchen die Chinesen als Menschen und die Kultur dieser Menschen so objektiv und wahrheitsgemäß wiederzugeben, wie ich sie kennen gelernt habe.

Als normaler Durchschnittseuropäer, der noch nie in China oder asiatischen Ländern war, stellt man sich den Chinesen als recht dreckigen aber fleißigen Menschen vor. Beides trifft nicht immer zu.

Was die Menschen betrifft muss man sich als Europäer auf jeden Fall an eines gewöhnen: Man wird immer angestarrt. Das wird in Europa teilweise vielleicht als unhöflich angesehen, ist aber von den Chinesen (meiner Erfahrung nach) alles andere als böse gemeint: Die Chinesen erscheinen mir als unheimlich neugieriges und interessiertes Volk. Lächelt man z.B. nett zurück (vor allem bei Kindern und jungen Frauen) fangen diese nicht selten zu kichern oder zu lachen an und drehen sich weg. Das ist aber nicht böse gemeint, im Sinne von "Ich lache dich aus.". Viele fangen aber auch sofort ein Gespräch an und interessieren sich, woher man komme und wie einem China gefällt. Auch wenn ich es mir irgendwie nur schwer vorstellen kann, aber viele haben tatsächlich wohl noch nie einen westlich aussehenden Menschen gesehen.

Was sicherlich eine große Umstellung bzw. ein Schock wird ist die andauernde Spuckerrei. Und Chinesen sind da nicht wie der Otto-Normal-Fußballer. So ungern ich es sage: Die Chinesen holen auch aus der letzten Bronchie und dem letzten Lungenflügel alles, was der Körper an Schleim zu bieten hat. Das klingt nicht nur widerwärtig- es ist auch ekelhaft. Daran werde ich mich sicherlich nicht gewöhnen- und nachahmen schon gar nicht!
Übrigens: Ich dachte immer, dass nur Männer so spucken würden. Auch wenn es eher die männliche Gattung macht, sogar Frauen habe ich schon zuhaus gesehen, die das beste aus sich rausholen.

Das Spucken ist sicherlich eine nicht wirklich prickelnde Angewohnheit der Chinesen. Was da schon dramatisch positiver ausfällt ist ihre Hilfsbereitschaft. Wenn die Chinesen einem direkt nicht weiterhelfen können, dann kennen sie jemanden, der jemanden kennt, der es kann. Und dann wird telefoniert! Am witzigsten ist das im Taxi. Ich habe die Adressen vorbereitet und auf chinesisch ausgedruckt. Die Taxifahrer nicken immer und meinen, sie wissen wohin es geht und lächeln. Wenn sie ca. 200m gefahren sind zücken sie dann ihr Handy und rufen jemanden an, um zu fragen, wie man dort hinkommt.

Apropos Lächeln: Lachen hat in China viele Bedeutungen. Meistens lächeln bzw. lachen die Chinesen aus drei Gründen: Freude, Unsicherheit/Nichtwissen und Verlegenheit/Peinlichkeit. Am "schlimmsten" ist dieses Lächeln, wenn der Chinese keine Antwort auf die Frage hat bzw. nicht weiß, was man von ihm will. Dann wird nämlich unter Umständen etwas erfunden. Unwissen bedeutet in diesem Falle Gesichtsverlust. Daher ist es als Europäer mitunter sehr schwierig einzuschätzen, warum der denn jetzt lacht. Aus Höflichkeit/Freundlichkeit oder einfach, weil er nicht die leiseste Ahnung hat.



Jetzt kommt ein etwas heikles Thema: Frauen und (schwierige) Männer.
Zunächst das wichtigste: Egal wie blöd euch ein (männlicher) Chinese in einem Nachtclub kommt, egal wie sehr er euch auf die Nerven geht und egal wie sehr ihr ihm eine auf die Nase geben wollt: Schlagt niemals (!!!) zu! Ihr zieht als Westler immer den Kürzeren. So erging es einem Kommilitonen, der nachdrücklich von einem Chinesen bedrängt wurde. Als es ihm zu viel wurde hat er dem Chinesen eine verpasst. Der Polizei war alles egal, den Chinesen haben sie weder befragt noch mitgenommen, der Westler saß die Nacht auf der Polizeistation. Wenn euch ein Chinese belästigt immer aus dem Weg gehen. Wenn die Polizei kommt und ihr dem Chinesen nichts gemacht habt, zieht nämlich der den Kürzeren und nicht ihr. Und mit dem springt die Polizeit bei weitem nicht so zimperlich um wie mit einem Westler.

Solche schlechten Begegnungen findet man tendenziell wahrscheinlich eher nur in Nachtclubs wenn es einem Chinesen mal wieder reicht, dass die Westler ihnen "die ganzen Frauen wegschnappen". Und da wären wir schon beim nächsten Thema.
Chinesen mögen Westler. Ob das jetzt an der Haut, dem Gesicht, der Haarfarbe oder was auch immer liegt weiß ich nicht und ist mir eigentlich auch egal. Aber sowie Frauen als auch Männer können sehr offensiv werden, wenn es darum geht, einem Westler etwas näher zu kommen.
Ein sehr offensives Beispiel ist da mein "Buddy" (also ein/e Chinese/Chinesin, der auch hier an der Uni studiert und sich dafür freiwillig gemeldet hat, einen Westler bei seinem Aufenthalt hier zu unterstützen). Sie (an der UIBE studieren wesentlich mehr Frauen als Männer) hat nach der zweiten SMS gleich mal gefragt, ob wir am Wochenende nicht mal zusammen in ein kleines Dörfchen außerhalb Beijings gehen wollen oder ins Kino oder was zusammen Essen. Ihr Schlusssatz "We can improve your oral chinese, I will be your best teacher!" hatte dann einen ulkig-kuriosen Beigeschmack. Ich habe sie übrigens noch nicht mal persönlich kennen gelernt. Aber allein der Fakt, dass ich aus Deutschland bin und sie wohl (nach eigener Aussage) sehr an deutscher Kultur und Sprache interessiert ist, war wohl ausreichend, unbedingt gleich etwas mit mir unternehmen zu wollen. Andere Westler hatten übrigens ähnliche Erfahrungen.
Man muss hier aber auch nochmal deutlich sagen: Verwechselt diese offensive Herangehensweise ja nicht mit zwielichtigen Hintergedanken. Die Chinesen sind ein unheimlich nettes, offenherziges und sehr neugieriges Volk. In dem Moment, in dem ihr einen Chinesen als Westler nur eine Sekunde zu lange anschaut, wird er sofort mit euch reden wollen. Ich unterstelle meinem Buddy (sie nennt sich "Delena") daher [noch] keine bösen Absichten, sondern lediglich eine große Begeisterung für andere Kulturen. Auch wenn sie gleich mit der Tür ins Haus fällt.

ABER: Vor allem in Nachtclubs weht da ein ganz anderer Wind. Aktuell weiß ich es nur vom Hörensagen (ich gehe heute abend zum ersten Mal um die Häuser ziehen), aber zieht euch warm an. Eine Kommilitonin erzählte mir, wie ein Mann an der Schlange zur Damentoilette vorbeilief, stehenblieb und einer beliebigen Chinesin einfach in den Schritt fasste. Die beiden sind dann auf der Toilette verschwunden. Ihr könnt euch bei dieser "Leichtigkeit" also vorstellen, wie offensiv es manche Frauen und Männer anlegen, in (intimen) Kontakt mit Westlern zu kommen. Auch hierbei gilt: Nicht gleich die Faust/flache Hand auspacken. Macht dem Gegenüber klipp und klar, dass ihr an sowas nicht interessiert seid- aber möglichst höflich. Das wird in 99% der Fällen dann wohl sofort verstanden.

Auch in allen seriösen und anständigen Läden und Clubs werdet ihr immer wieder Leute finden, die euch einen Trip in "Sex Hotels" anbieten. Ich denke, ich muss nicht besonders betonen, dass ihr dort nebst moralischen schon auch aus selbsterhatlungstechnischen Gründen unter keinen Umständen mitgehen solltet. Raub und/oder Tripper inklusive.
Bevor das jetzt zu sehr nach "Sextourismus" klingt: Beijing ist keine schmuddelige Stadt. Prostitution ist offiziell illegal. Wird allerdings teilweise recht offensichtlich betrieben. Aber "ausversehen" irgendwo reinstolpern oder sogar eine ganze Puffmeile o.ä. vorzufinden ist in Beijing nicht möglich. Wie in jeder Großstadt gilt: Passt auf euch auf, lasst euch niemals auf zwielichtige Leute/Charaktere ein und schon gar nicht auf unmoralische Angebote.

1 Kommentar:

  1. Hallo Tim,
    also was du da von den weniger angenehmen Eigenschaften der Chinesen berichtest ist schon ziemlich eklig...Das habe ich so gar nicht mehr in Erinnerung! Ich kann mich nur an die sehr gewöhnungsbedürtige Esskultur erinnern...
    Hoffentlich entwickelt sich das bei Fabi nicht schlimmer (Magenschmerzen usw.). Ich freue mich jedes Mal, wenn ich sehe, dass es dir(euch)gut geht und über die tollen Bilder.
    Ich vermisse dich, liebe Güße von deiner Ma

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